Spanische Forscher belegen, dass Mammuts und Dinosaurier langsamer waren als gedacht

Langsame Riesen: Was spanische Forscher jetzt herausgefunden haben

Diese Erkenntnis erschüttert nicht nur unsere Vorstellungskraft, sondern wirft auch die Art und Weise, wie Wissenschaftler prähistorische Ökosysteme rekonstruieren, gehörig durcheinander.

Ein Forschungsteam der Universität Granada und der Complutense Universität Madrid hat die maximale Gehgeschwindigkeit großer Mammuts und Dinosaurier neu berechnet. Das Ergebnis ist eindeutig: Diese Tiere bewegten sich deutlich langsamer, als die meisten früheren Schätzungen vermuten ließen – besonders bei den schwersten Exemplaren.

Die Studie erschien im Fachjournal Scientific Reports und befasst sich mit den Grenzen, die die Körpergröße der Fortbewegung auferlegt. Sobald Säugetiere und Reptilien eine bestimmte Masse überschreiten, gelten andere Gesetzmäßigkeiten als bei mittelgroßen Tieren.

Die Studie zeigt, dass die Höchstgeschwindigkeit ab etwa 100 Kilogramm nicht weiter zunimmt, sondern mit steigendem Körpergewicht eines Tieres sogar langsam abnimmt.

Viele ältere Berechnungen stützten sich auf allgemeine Formeln für Landtiere oder auf Interpretationen fossiler Fußspuren – was spektakuläre Geschwindigkeiten lieferte, vor allem für große fleischfressende Dinosaurier. Das spanische Team wählte einen anderen Ansatz und nutzte Modelle, die speziell für sogenannte graviportale Tiere entwickelt wurden: schwer gebaute Arten mit säulenförmigen Beinen, wie etwa Elefanten.

Da lebende Dinosaurier zum Messen fehlen, zogen die Forscher moderne Elefanten als Referenz heran. Deren Gangart, Masseverteilung und Knochenstruktur ähneln stark dem, was Paläontologen bei ausgestorbenen Riesen vorfinden.

Warum größer nicht schneller bedeutet

Die zentrale Frage der Untersuchung lautete: Wie viel mechanischen Stress können Knochen und Muskeln beim Gehen und Rennen aushalten? Bei jedem Schritt wirkt eine Kraft auf die Beine, die weit über dem Eigengewicht des Tieres liegt. Diese Kraft steigt rapide an, sobald die Geschwindigkeit zunimmt.

Für ein Tier von einigen Dutzend Kilogramm ist das kein unüberwindbares Problem. Bei einer Masse von mehreren Tausend Kilogramm jedoch wird jeder zusätzliche Kilometer pro Stunde zur enormen Belastung.

Ein Mammut oder ein großer sauropoder Dinosaurier, der wie ein Pferd sprinten würde, hätte sein eigenes Skelett in kurzer Zeit beschädigt.

Laut den spanischen Forschern zwang dieses enorme Gewicht die Evolution in eine bestimmte Richtung. Statt schlanker, schneller Gliedmaßen entwickelten diese Riesen breite, robuste Beine, die vor allem Stabilität und Tragfähigkeit boten. Dieses Bauprinzip macht es deutlich schwieriger, schnell zu beschleunigen oder abrupt die Richtung zu wechseln.

Die Modelle zeigen, dass es einen Wendepunkt bei rund 100 Kilogramm gibt. Bis zu diesem Gewicht nimmt die maximale Geschwindigkeit grob mit der Körpergröße zu – Tiere wie Hunde, Antilopen oder Strauße profitieren davon. Oberhalb dieser Schwelle beginnen die Einschränkungen zu dominieren: Muskeln können nicht unbegrenzt Kraft liefern, Sehnen und Knochen haben eine Bruchgrenze, und der Energiebedarf bei hohen Geschwindigkeiten steigt stark an.

Was das für Dinosaurier bedeutet

Für große Dinosaurier – sowohl pflanzenfressende Arten als auch Raubtiere – bedeutet dies, dass dauerhaftes Rennen wenig realistisch war. Die Studie legt nahe, dass sich viele dieser Tiere hauptsächlich in einem kraftvollen, aber vergleichsweise gemächlichen Schritt- oder Trabgang fortbewegten.

Große Fleischfresser wie tyrannosauridenartige Dinosaurier werden in Filmen oft als Sprintwunder dargestellt, die in voller Fahrt Beute jagen. Die neuen Berechnungen zeichnen ein anderes Bild: Raubtiere, die eher auf Taktik als auf reine Geschwindigkeit setzten – mit Jagdstrategien, die auf Hinterhalten, kurzen Ausbrüchen und der Auswahl schwacher oder verletzter Beutetiere basierten.

Anstatt Marathonsprinter zu sein, waren große Theropoden wahrscheinlich geduldige Jäger, die vor allem von ihrer Masse, dem Überraschungsmoment und scharfen Zähnen profitierten.

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Bei gigantischen Pflanzenfressern wie Sauropoden scheint es noch deutlicher zu sein. Ihr enormer Hals und Schwanz, kombiniert mit einem Körpergewicht von mehreren Tonnen, machte hohe Geschwindigkeiten ohne schwerwiegende Knochenbrüche oder Muskelschäden praktisch unmöglich.

Mammuts: Eher Elefant als mythischer Schnelligkeitsteufel

Auch bei Mammuts deuten die Ergebnisse auf vergleichsweise bescheidene Geschwindigkeiten hin. Ihre geschätzte Höchstgeschwindigkeit liegt im Bereich moderner Elefanten. Diese können zwar kurzzeitig einen kräftigen Galopp einlegen, erreichen jedoch keine Renngeschwindigkeiten wie Pferde oder Raubtiere.

Mammuts mussten weite Strecken durch Eiszeitlandschaften auf der Suche nach Nahrung zurücklegen. Dazu passte ein sparsamer, gleichmäßiger Schritt weit besser als ein kurzer Sprint. Energie, die für das Rennen aufgewendet worden wäre, fehlte dann für Wärmeproduktion, Fettvorräte oder die Fortpflanzung.

  • Robuste Beine sorgten für Stabilität auf weichem, gefrorenem Untergrund.
  • Ein gemäßigtes Tempo verringerte das Verletzungsrisiko in unwegsamem Gelände.
  • Geringe Energiekosten pro Kilometer boten einen Vorteil in nahrungsarmen Gebieten.

Die Ergebnisse bekräftigen die Vorstellung, dass der Erfolg der Mammuts nicht in ihrer Geschwindigkeit lag, sondern in ihrer Ausdauer, ihrer sozialen Struktur und der Fähigkeit, sich an raue Klimabedingungen anzupassen.

Auswirkungen auf das Bild prähistorischer Ökosysteme

Wenn sowohl große Pflanzenfresser als auch Fleischfresser langsamer waren als lange angenommen, verändert das die Dynamik ganzer Landschaften. Jagd, Fluchtverhalten, die Ausbreitung von Herden und sogar die Art, wie Pflanzen sich verbreiteten, sehen dann ganz anders aus.

Aspekt Traditionelles Bild Laut der neuen Studie
Jagd Lange Verfolgungsjagden mit hoher Geschwindigkeit Kurze Angriffe, Hinterhalte, Fokus auf schwache Beute
Fluchtverhalten der Beute Schnelle Sprints über große Distanzen Frühzeitiges Ausweichen, Gruppenschutz, Zickzackbewegungen
Herdenausbreitung Große Distanzen in relativ kurzer Zeit Langsame Fortbewegung mit langen Ruhepausen
Ökologische Rolle Dominanz durch Geschwindigkeit und Kraft Dominanz durch Masse, Anzahl und Energieeffizienz

Für Paläontologen bedeutet das, dass sie Jagdreste, Fußabdrücke und Knochenbrüche möglicherweise neu interpretieren müssen. Eine Reihe fossiler Spuren, die bisher als Sprint gedeutet wurde, könnte besser zu einem beschleunigten Schritt passen. Auch der Abstand zwischen Raubtier- und Beutespuren könnte eine andere Lesart erfordern, wenn beide Tiere langsamer waren.

Von der Filmfantasie zur biomechanischen Realität

Die Populärkultur hat jahrzehntelang das Bild donnernder, blitzschneller Dinosaurier geprägt. Das funktionierte gut auf der Leinwand, stimmt aber wenig mit dem überein, was die Biomechanik zeigt. Die spanische Studie reiht sich in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die diese filmische Version zunehmend infrage stellen.

Statt rasender Riesen entsteht das Bild einer Welt bedächtiger, bewusster Bewegungen. Ein langsamer Sauropode konnte allein durch seine Größe Raubtiere abschrecken, ohne jemals rennen zu müssen. Ein großer Fleischfresser brauchte keine Höchstgeschwindigkeit wie ein Gepard – solange er klug wählte, wo und wann er zuschlug.

Der Schwerpunkt verlagert sich von Geschwindigkeit auf Strategie: Wer am besten mit seiner Energie und seinem Körper umging, überlebte am längsten.

Was das über die Grenzen von Tieren aussagt – auch heute

Die Prinzipien dieser Forschung gelten nicht nur für fossile Arten. Auch bei modernen Tieren stoßen Geschwindigkeit, Gewicht und Skelettfestigkeit aneinander. Pferde, Nashörner und selbst schnelle Hunde tragen bei extrem hartem Training ein höheres Risiko für Stressfrakturen, weil ihre Knochen ständig Stöße abfangen müssen.

In der Viehzucht und Pferdezucht spielen solche biomechanischen Grenzen bei der Rassenauswahl, Trainingsplänen und maximaler Belastung eine Rolle. Überlastung kann nicht nur die Leistung mindern, sondern auch das Wohlbefinden der Tiere ernsthaft beeinträchtigen.

Für Wissenschaftler liefern die spanischen Modelle ein nützliches Instrument zur Berechnung von Risiken bei großen Tieren – sowohl lebenden als auch ausgestorbenen. Mit Simulationen können sie ermitteln, wie viel Kraft ein Bein oder eine Wirbelsäule aushalten kann, welcher Gangstil am sichersten ist und wie schnell sich ein Tier theoretisch bewegen könnte, ohne strukturelle Schäden zu erleiden.

Auch für Klimasimulationen und Ökosystemmodelle sind solche Daten wertvoll. Die Geschwindigkeit, mit der sich große Weidetiere fortbewegen können, beeinflusst maßgeblich, wie schnell sich Vegetation erholt, wie Nährstoffe in einer Landschaft zirkulieren und wie Raubtiere ihr Territorium abstecken. Langsame Riesen erzeugen ein anderes Rhythmusmuster in einem Ökosystem als schnelle Sprinter – und dieses Muster prägt letztlich die gesamte Landschaft.

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  • Timo Gerber ist ein deutscher Lifestyle-Blogger mit einer Community von rund 15–25 000 Followern. Er teilt Inhalte zu Alltagstipps, Lifestyle, Mode und kreativen Lifehacks und inspiriert seine Follower mit persönlichen Erfahrungen, praktischen Ideen und visuell ansprechenden Posts auf Instagram.

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