Warum du beim Erledigen einfacher Aufgaben besser nicht multitaskt

Multitasking bei einfachen Dingen: verlockend und gleichzeitig trügerisch

Schnell noch die E-Mails checken, auf eine Nachricht antworten und dabei im Kopf schon den restlichen Tag planen. Fünf Minuten später weißt du gar nicht mehr, ob du dir die Zähne wirklich richtig geputzt hast. Und trotzdem fühlst du dich wieder gehetzt.

Wir tun es alle massenhaft bei den vermeintlich einfachen Dingen: Kochen mit einem Podcast auf voller Lautstärke, Spazierengehen mit Teams im Ohr, Duschen während man gedanklich die To-do-Liste abarbeitet. Das wirkt clever, effizient, geradezu reif.

Doch irgendwo nagt etwas. Bist du wirklich produktiver — oder einfach ständig nur halb anwesend? Und was macht das mit deinem Gehirn, wenn selbst die leichtesten Aufgaben nicht mehr „einfach" sind?

Warum Multitasking bei simplen Dingen so verlockend und so heimtückisch ist

Multitasking fühlt sich wie eine Superkraft an. Du stehst in der Küche, schneidest Gemüse, hörst eine Sprachnachricht ab und setzt dabei gleichzeitig eine Erinnerung im Handy. Dein Gehirn bekommt kleine Dopaminschübe: wieder eine Aufgabe erledigt, wieder eine Benachrichtigung abgehakt.

Bei einfachen Tätigkeiten wirkt das harmlos. Abwaschen mit einer Serie im Hintergrund, Wäsche falten und dabei Nachrichten beantworten, Radfahren mit Musik und eingehenden Meldungen. Du merkst gar nicht, wie deine Aufmerksamkeit ständig hin und her springt.

Dennoch zahlst du unsichtbare Kosten dafür. Deine Konzentration zersplittert, du verpasst kleine Signale aus deiner Umgebung, und am Ende des Tages bist du auf eine Weise erschöpft, die nicht zu dem passt, was du „wirklich" geleistet hast.

Nehmen wir Lisa, 32, Marketingfachfrau. Sie beschloss, ihren Morgen „cleverer" zu gestalten: Frühstücken mit den Nachrichten auf dem Tablet, gleichzeitig WhatsApp und im Kopf schon die ersten E-Mails formulieren. Eine Routineaufgabe wie Brot schmieren wurde zu einer Art mentaler Schnellstraße.

Nach einigen Wochen bemerkte sie etwas Seltsames. Sie vergaß häufiger Sachen, lief zurück nach Hause, weil ihre Schlüssel noch auf dem Tisch lagen, und hatte das Gefühl, ihr Tag sei schon halb vorbei — noch vor 9:00 Uhr. Dabei hatte sie körperlich nichts Schweres getan.

Untersuchungen zur Aufmerksamkeitssteuerung zeigen klar: Das Gehirn hat keinen echten Multitasking-Knopf. Es springt rasend schnell zwischen Aufgaben hin und her — mit jedes Mal einem kleinen „Anlaufkosten"-Effekt. Selbst Zähneputzen plus Handy bedeutet: weniger Fokus, mehr mentales Rauschen, mehr geistige Verschwendung als du ahnst.

Einfache Aufgaben wirken so niedrigschwellig, dass wir sie automatisch mit zusätzlichen Reizen vollpacken. „Es ist doch nur Wäschefalten", denkst du, während du gleichzeitig drei Dinge versuchst. Genau dort schleicht sich eine Gewohnheit ein: Alles muss gefüllt sein, kein Moment darf leer bleiben.

Langeweile ist zum neuen Feind geworden. Ein Spaziergang ohne Podcast fühlt sich für viele Menschen wie verschwendete Zeit an. Eine Zugreise ohne Bildschirm? Unangenehm. Wir haben verlernt, wie es sich anfühlt, eine Sache einfach nur zu tun.

Kurzfristig erzeugt das den Anschein von Effizienz. Langfristig verlierst du das Gefühl dafür, dass einfache Dinge erholsam sein können. Dein Nervensystem bekommt kaum Pausen. Und ein Gehirn ohne Pausen fängt an zu knirschen — an Stellen, wo du es am wenigsten erwartest.

Wie du mit einfachen Aufgaben umgehst, ohne dich selbst verrückt zu machen

Ein konkreter Tipp: Wähle jeden Tag eine einzige einfache Aufgabe, die du radikal im Single-Tasking-Modus erledigst. Nur das. Kein Handy, kein Podcast, kein halbes Gespräch. Zehn Minuten Abwaschen bedeutet dann wirklich zehn Minuten Abwaschen.

Das klingt kinderleicht, aber du wirst merken, wie oft deine Hand trotzdem zum Handy greift. Genau dieser Moment ist aufschlussreich. Dort siehst du, wie automatisch Multitasking geworden ist — selbst bei Dingen, die keinerlei Eile haben.

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Fang klein an: die ersten fünf Minuten unter der Dusche bewusst verbringen, konzentriert Zähneputzen oder deinen Kaffee ohne Bildschirm trinken. Nicht als schwärmerische Übung, sondern als Mini-Experiment mit deiner eigenen Aufmerksamkeit.

Viele Menschen versuchen auf einen Schlag, ihren gesamten Tag „ruhiger" zu gestalten, und geben nach drei Tagen auf. Das funktioniert selten. Multitasking ist ein tief eingeschliffener Reflex. Den schüttelst du nicht einfach mit ein paar guten Vorsätzen ab.

Was wirklich hilft: mach es dir selbst leicht. Leg dein Handy in ein anderes Zimmer, wenn du duschst. Schalte Benachrichtigungen beim Kochen aus. Lass deine Ohrstöpsel bewusst in der Tasche, wenn du einen kurzen Spaziergang machst.

Und sei nachsichtig mit dir, wenn es nicht klappt. Du greifst wieder zum Handy, lässt doch einen Podcast weiterlaufen. Na und. Sag dir: Okay, jetzt zurück zu einer Sache. Niemand schafft das jeden Tag perfekt — und das muss auch nicht so sein.

„Du musst dein Leben nicht verlangsamen. Du musst nur aufhören zu tun, als wäre dein Gehirn ein Callcenter mit zehn gleichzeitig offenen Leitungen."

Als Orientierung kannst du dir ein paar einfache Abmachungen mit dir selbst treffen:

  • Kein Bildschirm beim Zähneputzen und Duschen.
  • Die ersten fünf Minuten jeder Mahlzeit ohne Handy.
  • Eine Haushaltsaufgabe pro Tag bewusst ohne zusätzliche Reize erledigen.

Diese Liste muss weder vollständig noch perfekt sein. Sie darf wachsen, schrumpfen, unordentlich bleiben. Es geht darum, bewusster zu entscheiden, wann du multitaskt — statt dass es dein Standardmodus ist.

Was passiert, wenn du einfache Dinge wieder einfach sein lässt

Nach einigen Wochen fällt etwas auf, das du nicht erwartet hast: Es sind nicht die großen Dinge, die sich verändern, sondern die kleinen Ränder deines Tages. Der Moment, in dem du deine Jacke anziehst. Der Weg zum Supermarkt. Die drei Minuten, in denen du wartest, bis die Pasta kocht.

Diese Momente fühlen sich weniger gehetzt an. Du bist kurz wirklich da — anstatt hindurchzuscrollen. Manchmal kommt plötzlich eine gute Idee, manchmal gar nichts. Beides ist in Ordnung. Du musst daraus nichts machen.

Erstaunlicherweise berichten viele Menschen, dass sie sich letztendlich weniger erschöpft fühlen — obwohl sie nicht weniger tun. Der Unterschied liegt in den versteckten Kosten: Das Gehirn muss nicht mehr ständig zwischen fünf Dingen wechseln, während du glaubst, „nur ein paar einfache Sachen" zu erledigen.

Und dann ist da noch etwas. Wenn einfache Aufgaben wieder einfach sein dürfen, wird auch Scheitern leichter. Eine vergessene E-Mail, ein unordentlicher Tag, ein kleiner Fehler in einer Nachricht: Das fühlt sich weniger wie ein Beweis für eigenes Versagen an — und mehr wie ein Teil eines vollen Lebens, in das du ab und zu Luft lässt.

Wir kennen alle diesen Moment, in dem man denkt: Wie kann ich so müde sein nach einem Tag voller „kleiner Dinge"? Vielleicht liegt es nicht an dir, sondern daran, wie du jeden freien Augenblick füllst.

Die Einladung ist simpel. Schau heute einmal hin: Bei welcher leichten Aufgabe könntest du dein Handy im anderen Zimmer lassen? Die Antwort sagt oft mehr über deinen tatsächlichen inneren Zustand aus als jeder Produktivitätstipp der Welt.

Kernpunkt Detail Nutzen für den Leser
Das Gehirn kann nicht wirklich multitasken Es schaltet schnell zwischen Aufgaben, was Energie und Fokus kostet Versteht, warum er/sie nach „einfachen" Tagen so müde ist
Einfache Aufgaben als Erholungsmoment Eine Sache auf einmal tun gibt unbewusste mentale Pausen Findet niedrigschwellige Wege, sich ruhiger zu fühlen
Kleine Gewohnheiten, große Wirkung Täglich eine Aufgabe bewusst im Single-Tasking erledigen Direkt umsetzbar ohne großen Lebensumbau

Häufig gestellte Fragen:

  • Ist Multitasking immer schlecht? Nicht immer. Musik beim Wäschefalten hören ist völlig in Ordnung, solange es dich nicht überreizt. Problematisch wird es, wenn dein Gehirn ständig zwischen Dingen wechseln muss, die echte Aufmerksamkeit erfordern — wie Nachrichten lesen beim Kochen.
  • Warum fühlt sich Multitasking so produktiv an? Weil du viele kleine Aufgaben abhakst und dafür kurze Dopaminschübe bekommst. Das fühlt sich wie Gewinn an — auch wenn du am Ende weniger konzentrierte Arbeit geleistet hast.
  • Wie schnell merke ich eine Wirkung, wenn ich weniger multitaske? Oft schon innerhalb einer Woche, vor allem daran, wie erschöpft du dich am Ende des Tages fühlst. Es kann subtil sein: Dein Kopf fühlt sich etwas leichter an, du hast weniger das Gefühl, dir selbst hinterherzulaufen.
  • Muss ich beim Erledigen einfacher Aufgaben alle Bildschirme weglassen? Nein. Entscheide bewusst, wann du sie nutzt. Zum Beispiel: Musik beim Kochen ja, aber keine Apps lesen beim Schneiden. Kleine Abmachungen funktionieren besser als starre Regeln.
  • Was, wenn mein Job Multitasking von mir verlangt? Dann sind genau diese einfachen Aufgaben umso wertvoller als Mikropausen. Betrachte sie nicht als Gelegenheit, noch mehr hineinzupacken, sondern als Momente, in denen dein Gehirn kurz ausatmen darf.

Author

  • Timo Gerber ist ein deutscher Lifestyle-Blogger mit einer Community von rund 15–25 000 Followern. Er teilt Inhalte zu Alltagstipps, Lifestyle, Mode und kreativen Lifehacks und inspiriert seine Follower mit persönlichen Erfahrungen, praktischen Ideen und visuell ansprechenden Posts auf Instagram.

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