Was diese neue Studie genau untersucht hat
Immer mehr Reisende achten auf ihre Ernährung im Flugzeug – aber kaum jemand denkt daran, was sich in ihrem Glas befindet. Eine amerikanische Studie zum Trinkwasser an Bord stellt nun eine Reihe beunruhigender Fragen und zwingt Passagiere dazu, ihre Gewohnheiten während des Fluges zu überdenken.
Zwischen 2022 und 2025 analysierte das Center for Food as Medicine and Longevity das Trinkwasser von 21 amerikanischen Fluggesellschaften. Die Forscher entnahmen Proben an Bord – in Galleys, bei Toiletten und in den Wassertanks. Jeder Messpunkt erhielt eine Bewertung, die in einem sogenannten Water Safety Score von 0,00 bis 5,00 zusammengefasst wurde.
Ein Wert ab 3,5 galt als „ausreichend sicher". Darunter wird die Zuverlässigkeit des Wassers fragwürdig. Insgesamt untersuchten die Forscher 35.674 Zapfpunkte. Davon waren 949 Proben positiv auf coliforme Bakterien – Mikroorganismen, die auf Verunreinigungen und mögliche Systemprobleme hinweisen.
An mehr als einer von dreißig beprobten Stellen fanden die Forscher Spuren coliformer Bakterien, teilweise kombiniert mit E. coli.
Noch besorgniserregender: An 32 Stellen stieß das Team auf E. coli – ein eindeutiger Indikator für schwere fäkale Kontamination. Das bedeutet nicht, dass jeder Passagier erkrankt, zeigt aber, dass das System auf diesen Maschinen klare Alarmsignale aussandte.
Welche Fluggesellschaften besser abschneiden – und welche nicht
Die Studie nennt die Fluggesellschaften beim Namen – ein innerhalb der Branche heikles Vorgehen. Große Anbieter erzielen dabei auffallend unterschiedliche Ergebnisse. Während Delta Air Lines die Höchstpunktzahl von 5,00 erreicht, kommt American Airlines lediglich auf 1,75.
| Fluggesellschaft | Water Safety Score | Bewertung |
|---|---|---|
| Delta Air Lines | 5,00 | A |
| Frontier Airlines | 4,80 | A |
| Alaska Airlines | 3,85 | B |
| American Airlines | 1,75 | D |
| JetBlue | 1,80 | D |
Regionale Carrier schneiden meist noch schlechter ab. Mesa Airlines erreicht lediglich 1,35 – eine klare Ungenügend. Bei CommuteAir war ein Drittel aller Proben positiv auf coliforme Bakterien. Nur eine regionale Fluggesellschaft, GoJet Airlines, fällt laut den Forschern halbwegs positiv auf.
Die Studie zeichnet ein Bild der Luftfahrtbranche, in der die Distanz zwischen den sichersten und den schwächsten Anbietern enorm groß ist – selbst innerhalb desselben Landes und unter denselben Vorschriften.
Warum sicheres Wasser an Bord so schwierig bleibt
Das grundlegende Problem: Ein Flugzeug funktioniert nicht wie ein Haus oder eine Stadt mit einer festen Wasserleitung. Eine Maschine wird auf verschiedenen Flughäfen von unterschiedlichen Lieferanten befüllt. Das Wasser gelangt über Tankwagen, Pumpen und Schläuche durch Anschlüsse in die Tanks und wird erst dann auf Küchen und Toiletten verteilt.
An jedem einzelnen Schritt kann etwas schiefgehen. Wasser kann stunden- oder tagelang im Tank stehen, während das Flugzeug am Boden steht – bei Hitze oder Kälte. Biofilme – dünne Bakterienschichten an den Innenwänden von Leitungen und Tanks – bauen sich langsam auf, wenn die Reinigung unregelmäßig erfolgt.
Stagnation, Temperaturschwankungen und komplexe Leitungssysteme
Die Kombination mehrerer Faktoren macht die Situation schwer kontrollierbar:
- Längere Standzeiten zwischen Flügen erhöhen das Risiko von Bakterienwachstum.
- Starke Temperaturschwankungen beeinträchtigen die Desinfektion und beschädigen Materialien.
- Ein Geflecht aus Leitungen und Ventilen erschwert eine gründliche Reinigung.
- Tankwagen und Schläuche am Boden bilden zusätzliche Glieder in einer Kette, an denen die Hygiene versagen kann.
Amerikanische Vorschriften, die Aircraft Drinking Water Rule (ADWR), versuchen dies durch Pflichtkontrollen auf Coliforme und E. coli zu regeln. Fluggesellschaften müssen ihre Tanks mindestens viermal pro Jahr desinfizieren und spülen – es sei denn, sie wechseln zu monatlichen Tests, dann genügt eine große Reinigung pro Jahr.
Werden coliforme Bakterien nachgewiesen, sind innerhalb von 24 Stunden Folgetests erforderlich. Bei anhaltenden Problemen muss das System innerhalb von 72 Stunden gereinigt oder abgesperrt werden. Wird E. coli gefunden, muss die Trinkwasserversorgung innerhalb von 24 Stunden gesperrt und eine alternative Wasserversorgung für Passagiere bereitgestellt werden.
Die Vorschriften sind besser als gar nichts, bleiben laut den Forschern aber weniger streng als die Standards für Leitungswasser am Boden – obwohl die Anfälligkeit des Systems in der Luft deutlich höher ist.
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Was bedeutet das für europäische und deutsche Reisende?
Die Studie konzentriert sich auf amerikanische Fluggesellschaften und Vorschriften. Dennoch funktioniert die Wasserkette an vielen Orten vergleichbar. Auch europäische Fluggesellschaften nutzen Tanks, Schläuche und externe Lieferanten auf Flughäfen weltweit. Die grundlegenden Risiken – Stagnation, Temperaturschwankungen, komplexe Systeme – gelten ebenso in Amsterdam, Paris oder Frankfurt.
Europäische Trinkwasservorschriften liegen in der Regel näher an den Normen für Leitungswasser. Das bietet einen theoretischen Vorteil, garantiert jedoch keine perfekte Umsetzung auf jeder Maschine zu jedem Zeitpunkt. Die Praxis an stark frequentierten Drehkreuzen mit Zeitdruck, Personalmangel und veralteter Infrastruktur kann erheblich variieren.
Konkrete Tipps: So reduzierst du das Risiko während deines Fluges
Die Forscher der amerikanischen Studie sind ungewöhnlich klar in ihrer Empfehlung. Für Passagiere lassen sich einige einfache Entscheidungen treffen.
Was man an Bord besser trinken sollte – und was nicht
- Verwende nach Möglichkeit ausschließlich Wasser aus versiegelten Flaschen.
- Verzichte auf Eiswürfel im Getränk, wenn du dir über die Herkunft des Wassers unsicher bist.
- Sei kritisch gegenüber Kaffee und Tee, der mit Tankwasser an Bord zubereitet wurde.
- Softdrinks oder Säfte aus Dose oder Flasche bergen in dieser Hinsicht ein geringeres Wasserrisiko.
Das Center for Food as Medicine and Longevity empfiehlt sogar, niemals Wasser aus dem Hahn im Flugzeug zu trinken – auch nicht, wenn die Crew sagt, es sei unbedenklich. Nicht weil das Personal lügt, sondern weil in diesem Moment niemand den aktuellen mikrobiologischen Zustand des Tanks kennt.
Hygiene auf der Toilette: Lieber Gel als Leitungswasser
Viele Reisende vertrauen noch immer auf den Wasserhahn im Flugzeugklo, um ihre Hände zu waschen. Die Studie legt ein anderes Verhalten nahe. Greife vorzugsweise zu einem Handgel mit mindestens 60 Prozent Alkohol und beschränke die Verwendung von Leitungswasser auf ein kurzes Abspülen, wenn es wirklich notwendig ist.
Für die Handhygiene im Flugzeug ist eine kleine Flasche Desinfektionsgel oft sicherer und wirkungsvoller als wiederholtes Spülen mit potenziell verunreinigtem Leitungswasser.
Ausreichend trinken bleibt in großer Höhe unverzichtbar
Die Kabinenluft ist trocken. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt häufig unter 20 Prozent. Der Körper verliert unbemerkt Flüssigkeit durch Atmung und Schleimhäute. Wer aus Angst vor Risiken gar nichts trinkt, löst ein anderes Problem aus: Dehydration.
Die sicherste Strategie verbindet Vorsicht mit gesundem Menschenverstand:
- Kaufe nach der Sicherheitskontrolle eine Flasche Wasser am Flughafen oder lass dir eine Flasche an Bord servieren.
- Fülle eine eigene wiederverwendbare Flasche an einem Trinkbrunnen am Flughafen auf, sofern einer verfügbar ist.
- Trinke alle 20 bis 30 Minuten ein paar Schlucke, statt auf einmal eine große Menge.
- Schränke Alkohol und stark koffeinhaltige Getränke ein, da diese die Flüssigkeitszufuhr erschweren.
Was Fluggesellschaften selbst noch verbessern können
Für Fluggesellschaften ist die Studie ein unbequemer Spiegel. Bessere Bewertungen erfordern nicht nur zusätzliche Tests, sondern auch strukturelle Anpassungen. Dazu gehören häufigere Tankreinigungen, eine strengere Auswahl der Wasserlieferanten auf Flughäfen sowie eine engmaschigere Kontrolle von Tankwagen und Schläuchen.
Technologisch gibt es noch Potenzial: Sensoren zur Echtzeit-Überwachung der Wasserqualität, Materialien, die weniger Biofilm zulassen, oder kleinere Tanksegmente, die weniger Stagnation verursachen. Solche Investitionen kosten zwar Geld, verringern aber auch Imageschäden und potenzielle Ausbrüche wasserbedingter Infektionen.
Was Reisende künftig fordern und erwarten können
Bemerkenswert ist, dass Wassersicherheit in Marketingkampagnen von Fluggesellschaften kaum auftaucht – obwohl das Thema unmittelbar Gesundheit und Wohlbefinden betrifft. Je mehr Aufmerksamkeit es erhält, desto mehr kann der Druck von Reisenden zu transparenteren Berichten über Wasserqualität führen – ähnlich wie bei CO₂-Berichten oder Verspätungsstatistiken.
Passagiere können schon jetzt kritischer werden. Wer die Crew nach der Herkunft des Wassers fragt, sich für Flaschen statt Leitungswasser entscheidet und bei verdächtigem Geschmack oder Geruch Beschwerde einlegt, rückt das Thema ins Bewusstsein. Wenn mehrere Reisende dasselbe melden, steigt die Chance, dass eine Fluggesellschaft ihre Verfahren anpasst.
Wer demnächst am Fensterplatz sitzt und über die gratis Tasse Tee nachdenkt, dem hilft ein einfacher Gedanke: Hydratation ist notwendig – aber woher du trinkst, entscheidest du selbst. Eine schlichte Entscheidung für eine versiegelte Flasche kann eine ganze Kette unsichtbarer Risiken umgehen.













