Abschaffung der Erbschaftsteuer ist laut Ökonomen eine Katastrophe – doch Kritiker nennen es puren Diebstahl, Kindern ihr Erbe zu missgönnen

Warum die Erbschaftsteuer plötzlich so explosiv geworden ist

Ihre Mutter ist gerade gestorben. Die Erbschaft besteht aus einem Reihenhaus, etwas Erspartem – nichts Außergewöhnlichem. Und doch ist das Erste, was sie hört, nicht „mein Beileid", sondern: „Die Erbschaftsteuer wird ungefähr so hoch ausfallen."

Ihre Schultern sacken ein wenig. Kein Drama, kein Aufschrei. Nur dieses typische, stille Seufzen: Na ja. Sie murmelt etwas von „gieriger Staat" und „Mama hat ihr Leben lang schon Steuern darauf bezahlt".

Ökonomen warnen, dass die Abschaffung der Erbschaftsteuer eine soziale Zeitbombe wäre. Gleichzeitig bezeichnen Kritiker die Steuer selbst als nichts weniger als legalen Raub. Und irgendwo dazwischen schiebt sich ein neuer politischer Konflikt langsam in den Vordergrund.

Das Gespräch über Geld und Tod

Sobald das Wort „Erbe" fällt, wird es entweder still oder hitzig. Die Erbschaftsteuer trifft genau das Gespür für Gerechtigkeit und familiäre Bindung. Für Ökonomen ist sie vor allem ein Instrument – eine Bremse gegen Ungleichheit, ein Mittel, das verhindert, dass Vermögen sich still in immer kleineren Familienkreisen ansammelt.

Für Kinder, die gerade einen Elternteil begraben haben, fühlt es sich dagegen wie etwas ganz anderes an: eine Rechnung für den Schmerz.

Zahlen aus den Niederlanden und Belgien zeigen dasselbe Muster: In den letzten Jahrzehnten wachsen Erbschaften schneller als Einkommen. Vermögen steckt in Immobilien, Anlageportfolios und Familienunternehmen. Während Löhne manchmal jahrelang stagnieren, schießen Immobilienpreise in die Höhe. Die Folge: Wer erbt, steigt eine Sprosse höher. Wer nichts erbt, bleibt hängen.

Wirtschaftliche Berichte zeigen immer wieder dasselbe Muster. Die größten Vermögen entstehen nicht durch „harte Arbeit", sondern durch das, was die Eltern besitzen. In Frankreich, Deutschland, den Niederlanden: überall dieselben Grafiken, dieselben schiefen Kurven. Die Geburtslotterie bestimmt zunehmend die eigene Startposition.

Politiker, die die Erbschaftsteuer abschaffen wollen, zeigen gern das Beispiel des „gewöhnlichen" Erben: ein Kind, das jahrelang für seinen kranken Elternteil gesorgt hat und nun auf ein kleines Erbe Steuern zahlen soll. Das ist real und nachvollziehbar. Doch dabei verschiebt sich die Aufmerksamkeit weg von den wirklich großen Vermögen, um die es Ökonomen eigentlich geht.

„Purer Diebstahl" oder notwendiges Übel? Ein nüchterner Blick

Wer durch Kommentarspalten unter Nachrichtenartikeln scrollt, sieht das Wort „Diebstahl" alle paar Zeilen auftauchen. Viele Menschen empfinden die Erbschaftsteuer als doppeltes Bezahlen. Erst ein Leben lang Steuern, dann noch einmal nach dem Tod. Rational lässt sich argumentieren, dass das streng genommen nicht dasselbe ist – emotional fühlt es sich jedoch genauso an.

Eine Möglichkeit, nüchtern darüber nachzudenken: Stell dir vor, du schenkst deinem Kind ein teures Fahrrad und der Nachbarschaftsverein klingelt an der Tür und verlangt eine „Fahrradsteuer". Genau so erleben es viele Menschen. Ungerecht, aufdringlich, fast unverschämt in einem verletzlichen Moment.

Diese Wahrnehmung zu ignorieren wäre töricht. Wer gesellschaftliche Akzeptanz für die Erbschaftsteuer erhalten möchte, muss anerkennen, dass Trauer und Steuern eine giftige Kombination sind. Nicht alles lässt sich in einer Tabellenkalkulation abbilden.

In Belgien heißt die Erbschaftsteuer „Erbschaftsrecht" – ein Wort, das klingt, als würde man für Erfolg bestraft. In den Niederlanden spricht man von „Einkünften aus Nachlassschaft", was technischer klingt, aber nicht weniger emotional berührt.

„Wir reden über Erbschaftsteuer, als ginge es nur um Zahlen", sagt ein Vermögensplaner aus Rotterdam. „Aber an meinem Schreibtisch sitzt fast immer jemand mit Tränen in den Augen. Das eigentliche Gespräch dreht sich um Liebe, Schuldgefühle und Eifersucht. Die Steuer ist oft nur der Zünder im Pulverfass."

Politische Parteien, die die Abschaffung der Erbschaftsteuer propagieren, greifen geschickt genau dieses Gefühl auf. Sie sprechen von „Trauersteuer" und „gieriger Steuerbehörde am Sarg". Der Rahmen ist wirkungsvoll und kaum wegzuwischen – auch wenn Zahlen zeigen, dass die Mehrheit der Menschen entweder wenig oder gar keine Erbschaftsteuer zahlt, weil viele kleinere Erbschaften innerhalb der Freibeträge liegen.

Ökonomen bezeichnen die Erbschaftsteuer nahezu einhellig als eine der „am wenigsten schädlichen" Steuern. Löhne und Arbeit zu besteuern bremst Investitionen und Motivation. Aber eine Steuer auf Erbschaften fällt zu einem Zeitpunkt an, an dem das Geld buchstäblich vom Himmel fällt – ohne direkte eigene Leistung. Aus rationaler Sicht ist es ein eleganter Moment zur Umverteilung.

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Wenn die Erbschaftsteuer vollständig abgeschafft wird, erhalten Kinder reicher Eltern einen immer größeren Vorsprung – über Generationen hinweg. Vermögen bleibt in denselben Familien, wie in einem geschlossenen Kreislauf. Und das geht über bloße Eifersucht hinaus: Es untergräbt den Glauben daran, dass harte Arbeit sich lohnt.

Um durch das moralische Minenfeld zu navigieren, helfen ein paar Fragen:

  • Möchtest du, dass Herkunft weniger zählt als Talent und Einsatz?
  • Findest du, dass große Vermögen einen Teil an die Gesellschaft zurückgeben sollten?
  • Darf der Staat ausgerechnet Trauerphasen in Ruhe lassen, auch wenn das Ungleichheit fördert?
  • Sollten kleine Erbschaften vollständig steuerfrei sein und große stärker belastet werden?
  • Und schließlich: Was würdest du selbst für fair halten, wenn du nichts erben würdest?

Wie wir fairer mit Erbschaften umgehen können

Die Diskussion um die Erbschaftsteuer wirkt oft wie ein Alles-oder-nichts-Spiel: abschaffen oder behalten. Dabei gibt es zwischen diesen Extremen viele konkretere Lösungsansätze. Ein bekannter wirtschaftlicher Vorschlag ist, vor allem hohe, konzentrierte Erbschaften stärker zu besteuern und den Rest weitgehend in Ruhe zu lassen.

Stell dir ein System vor, in dem Kinder die ersten paar Hunderttausend Euro über alle Erbschaften hinweg steuerfrei erhalten. Alles darüber wird progressiv besteuert. Das macht die kleine Erbschaft eines Reihenhauses praktisch unangreifbar. Wer aber Millionen aus mehreren Quellen erbt, zahlt entsprechend mehr.

Darüber hinaus könnte der Staat deutlich besser kommunizieren. Weniger juristisch, menschlicher, mit Aufklärung Jahre vor dem Erbfall – nicht erst an dem Tag, an dem man gerade die Beerdigung organisiert hat.

Viele Fehler und Frustrationen rund um Erbschaften entstehen nicht durch bösen Willen, sondern durch Aufschieberitis und Scham. Menschen vermeiden Gespräche über Geld und Tod, manchmal bis es buchstäblich zu spät ist. Die Unfähigkeit, über Nachlass zu reden, mündet dann in Wut auf das Finanzamt.

Wer früh mit einfachen Absprachen beginnt, entschärft einen Teil der Problematik. Zum Beispiel, indem man in der Familie offen teilt, was ungefähr vorhanden ist, welche Wünsche bestehen und wie man es als fair empfände. Keine Protokolle, keine Präsentation – einfach ein ehrliches Gespräch am Küchentisch.

„Deutsche denken oft, ein Testament sei etwas für Reiche", sagt ein Notar. „In Wirklichkeit sind es gerade bei normalen Familien die klaren Absprachen, die den meisten Streit verhindern."

Konkrete Hinweise, die Experten immer wieder nennen:

  • Sprich mindestens einmal bewusst über Nachlass innerhalb der Familie – auch wenn „ja sowieso nichts da ist".
  • Lass eine einfache Berechnung der möglichen Erbschaftsteuer erstellen, damit Beträge nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommen.
  • Prüfe kritisch, ob Schenkungen zu Lebzeiten sinnvoll sind, ohne sich selbst finanziell angreifbar zu machen.
  • Erwäge eine Fairness-Prüfung: Was würde dieser Plan für das Kind bedeuten, das am wenigsten hat?
  • Vergiss nicht: Steuerliche Optimierung darf niemals wichtiger werden als die gegenseitigen Beziehungen.

Die eigentliche Frage: Wem gehört Vermögen wirklich?

Hinter all den Debatten über die Abschaffung der Erbschaftsteuer verbirgt sich eine unbequeme, aber faszinierende Frage. Wem gehört Vermögen eigentlich – moralisch gesehen? Ist es Privateigentum, das nach dem Tod genauso unantastbar bleibt wie zu Lebzeiten? Oder verändert sich etwas, sobald der Eigentümer nicht mehr da ist?

Wer die Erbschaftsteuer eine Katastrophe nennt, verweist auf wirtschaftliche Folgen: wachsende Ungleichheit, die Aushöhlung des Gedankens eines „gleichen Starts", zunehmendes Misstrauen zwischen „Haben" und „Nicht-Haben". Wer sie puren Diebstahl nennt, verweist auf eine andere Art von Schaden: das Gefühl, dass der Staat Familienrechte untergräbt und bis ins Wohnzimmer eindringt.

Vielleicht ist das der Grund, warum diese Debatte so tief trifft. Es geht um Geld – aber auch um Identität: Elternteil, Kind, Bürger, Erbe. Um Liebe in Testamentform. Um Vertrauen in den Staat. Um die Frage, ob wir einander das Glück missgönnen oder ob wir hoffen, dass niemand allein durch seine Herkunft gewinnen kann.

In den kommenden Jahren wird diese Spannung nicht nachlassen. Vermögen, das heute in Immobilien und Anlagen steckt, wird schrittweise an eine neue Generation weitergegeben. Politiker stehen mit Plänen bereit: von der vollständigen Abschaffung bis hin zu deutlichen Erhöhungen der Erbschaftsteuer in den obersten Stufen.

Egal, wo man in dieser Diskussion steht – eines ist klar: Nichts zu sagen, nichts zu planen, nichts fühlen zu wollen bei diesem Thema, ist selbst auch eine Entscheidung. Vielleicht die gefährlichste. Denn dann entscheidet am Ende nicht die Familie, sondern das System. Und dann wird ein Erbe schnell kein letzter Liebesbrief mehr, sondern eine Quelle von Streit, Unverständnis und unangenehmen Briefen vom Finanzamt.

Auf einen Blick: Die wichtigsten Punkte

Kernpunkt Detail Bedeutung für den Leser
Erbschaftsteuer bremst Ungleichheit Ökonomen sehen sie als vergleichsweise effiziente Steuer, besonders auf große Vermögen Hilft zu verstehen, warum Abschaffung laut Experten riskant ist
Emotionale Belastung in der Trauer Für Erben fühlt sich die Steuer wie „doppeltes Zahlen" und Eingriff in den Schmerz an Wiedererkennbarkeit eigener Frustrationen rund um Nachlass
Raum für ein gerechteres System Höhere Freibeträge für kleine Erbschaften, stärkere Belastung großer Vermögen Bietet konkrete Ansätze für eine differenzierte Meinungsbildung

Häufig gestellte Fragen

  • Ist die Erbschaftsteuer wirklich nötig, wenn es schon so viele andere Steuern gibt? Viele Ökonomen sagen ja, weil die Erbschaftsteuer gezielt auf Vermögen abzielt, das für den Erben „vom Himmel fällt", und so hilft, Ungleichheit zu dämpfen, ohne Arbeit zusätzlich zu belasten.
  • Zahlen normale Familien viel Erbschaftsteuer? In den meisten Fällen hält sich das durch Freibeträge in Grenzen; bei vergleichsweise kleinen Erbschaften innerhalb der Familie bleiben die Beträge oft gering oder entfallen ganz.
  • Warum fühlt sich die Erbschaftsteuer für so viele Menschen wie Diebstahl an? Weil sie mit der Trauer zusammenfällt und weil Menschen sie als erneute Besteuerung von Geld erleben, auf das zu Lebzeiten bereits Steuern gezahlt wurden – auch wenn die rechtliche Lage anders ist.
  • Würde die Abschaffung der Erbschaftsteuer mir persönlich etwas bringen? Das hängt vom Umfang der Erbschaft ab; große Vermögen profitieren erheblich, bei kleineren Nachlässen ist der Gewinn manchmal begrenzt, während die gesellschaftlichen Kosten steigen können.
  • Was kann ich selbst tun, um Ärger rund um die Erbschaftsteuer zu minimieren? Sprich rechtzeitig innerhalb der Familie, lass dich bei Bedarf kurz von einem Notar oder Planer beraten, und halte die wichtigsten Wünsche fest, damit Erben nicht alles im Chaos der Trauer klären müssen.

Author

  • Timo Gerber ist ein deutscher Lifestyle-Blogger mit einer Community von rund 15–25 000 Followern. Er teilt Inhalte zu Alltagstipps, Lifestyle, Mode und kreativen Lifehacks und inspiriert seine Follower mit persönlichen Erfahrungen, praktischen Ideen und visuell ansprechenden Posts auf Instagram.

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