Schon wieder stirbt ein Einwohner Kaliforniens nach Vergiftung durch den Grünen Knollenblätterpilz

Drittes Todesopfer seit November

Immer mehr Menschen ziehen mit Korb und Messer in die Natur, auf der Suche nach kostenlosem Essen. Dieser Winter endete diese Suche erneut auf tragische Weise.

Im Sonoma County ist am vergangenen Wochenende ein Mann gestorben, nachdem er den berüchtigten „Death Cap"-Pilz gegessen hatte – besser bekannt als der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Es handelt sich bereits um das dritte Todesopfer in Kalifornien seit November, und alle Fälle sind mit derselben giftigen Pilzart verbunden.

Zwischen dem 18. November und dem 4. Januar verzeichnete der Bundesstaat 35 Vergiftungen durch wild gesammelte Pilze. Normalerweise werden in diesem Zeitraum in Kalifornien weniger als fünf Fälle registriert. Ärzte und Toxikologen sprechen von einer außergewöhnlich risikoreichen Saison.

Kalifornien verzeichnet in diesem Winter mehr als sechsmal so viele Meldungen schwerer Pilzvergiftungen wie in einem durchschnittlichen Jahr.

Der staatliche Gesundheitsdienst warnte Anfang Dezember bereits ausdrücklich davor, selbst gesammelte Pilze zu verzehren – insbesondere rund um Monterey und die San Francisco Bay Area. Dennoch steigt die Zahl der Zwischenfälle weiter an.

Warum dieser Winter so gefährlich ist

Lokalen Gesundheitsbehörden zufolge schufen frühe Regenfälle und ein milder Herbst ideale Wachstumsbedingungen. Giftige Arten, darunter der Grüne Knollenblätterpilz, schossen massenhaft aus dem Boden in Nordkalifornien.

Der kommissarische Gesundheitsdirektor des Sonoma County, Michael Stacey, rief die Bevölkerung deshalb auf, Pilze ausschließlich in zuverlässigen Supermärkten und anerkannten Fachgeschäften zu kaufen. Wild gesammelte Exemplare bergen ein reales Risiko – selbst für erfahrene Sammler.

Der Grüne Knollenblätterpilz ähnelt auffallend stark einigen essbaren Arten, weshalb selbst erfahrene Sammler Fehler machen können.

Der Pilz taucht vor allem in der Nähe von Eichen und gelegentlich Nadelbäumen auf. Er besitzt weiße Lamellen, einen gelblichen bis grünlichen Hut und einen Ring am Stiel. Auf Fotos wirkt er vergleichsweise harmlos – was die Verwechslungsgefahr noch verstärkt.

Giftige Doppelgänger und kulturelle Traditionen

Ein Teil der zuletzt vergifteten Personen in Kalifornien spricht Spanisch und stützt sich möglicherweise auf Sammelpraktiken aus Mexiko oder anderen Ländern. In verschiedenen Regionen Lateinamerikas sammeln Familien seit Generationen essbare Amanita-Arten, die dem kalifornischen Death Cap stark ähneln, dort aber tatsächlich ungefährlich sind.

Diese visuelle Ähnlichkeit macht die Situation besonders heimtückisch: Wer in seinem Heimatland genau weiß, welcher Pilz in die Pfanne darf, tappt in Kalifornien ahnungslos in eine tödliche Falle.

  • Gleiche Gattung (Amanita), aber unterschiedliche Art
  • Bekannte, vertraute Form und Farbe
  • Neue Umgebung, andere Pilzflora
  • Mangelnde lokale Aufklärung in der Muttersprache

Gesundheitsbehörden weisen deshalb darauf hin, dass ausländische Sammelerfahrung sich nicht ohne Weiteres auf nordamerikanische Wälder übertragen lässt.

Was macht den Death Cap so tödlich?

Der Grüne Knollenblätterpilz enthält Amatoxine – eine Gruppe von Giftstoffen, die vor allem Leber und Nieren angreifen. Eine Menge in der Größe eines Zuckerwürfels kann für einen Erwachsenen bereits tödlich sein.

Phase Zeit nach dem Verzehr Typische Beschwerden
Latenzphase 0–24 Stunden Kaum oder keine Symptome, gelegentlich leichte Übelkeit
Gastrointestinale Phase 6–24 Stunden Starker Durchfall, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Austrocknung
Scheinbare Besserung 24–48 Stunden Beschwerden lassen nach, Patient fühlt sich besser
Leber- und Nierenschäden 2–3 Tage und später Gelbsucht, Gerinnungsstörungen, mögliches Leberversagen

Genau diese verzögerte Wirkung macht den Pilz so gefährlich. Der erste Durchfall und die Bauchschmerzen erinnern bisweilen an eine „normale" Lebensmittelvergiftiging. Nach einem Tag scheint alles besser zu werden – und Menschen wiegen sich in falscher Sicherheit, ohne einen Arzt aufzusuchen. Dabei wird die Leber im Hintergrund bereits schwer geschädigt.

Rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen weltweit stehen im Zusammenhang mit Amatoxinen, wie sie im Grünen Knollenblätterpilz vorkommen.

In Kalifornien benötigten in diesem Winter drei Patienten nach dem Verzehr wilder Pilze eine Lebertransplantation. Nicht alle überleben bis zu diesem Stadium: Manche Patienten sterben, bevor eine Transplantation überhaupt möglich ist.

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Erkennung im Gelände bleibt schwierig

Mykologen bezeichnen Amanita phalloides als invasive Art in Kalifornien. Der Pilz kam wahrscheinlich in den 1930er Jahren mit aus Europa importierten Bäumen ins Land und hat sich seitdem fest etabliert – besonders in städtischen und vorstädtischen Gebieten mit vielen Eichen.

Obwohl klare Erkennungsmerkmale existieren, gelingt die Bestimmung häufig nicht. Licht, das Alter des Pilzes und Tierfraß verändern das Erscheinungsbild erheblich. Ein junger Knollenblätterpilz kann beispielsweise fast vollständig in einer Art „Ei" stecken, während ältere Exemplare flachere Hüte aufweisen.

Erfahrene Wildsammler empfehlen deshalb drei Überprüfungen bei Unsicherheit:

  • Den Pilz immer vollständig ausgraben, einschließlich des knollenförmigen Fußes.
  • Lamellenfarbe sowie das Vorhandensein eines Rings und eines knolligen Fußes prüfen.
  • Niemals einen Pilz essen, der auch nur im Entferntesten an einen Amanita erinnert.

Saison klingt langsam ab, das Risiko bleibt

Der Mycological Society of San Francisco zufolge scheint der Höhepunkt der Death-Cap-Saison in Kalifornien inzwischen überschritten. Zu Beginn des Winters entdeckten Mitglieder bei einem mehrstündigen Spaziergang im Sonoma County Hunderte von Exemplaren. Bei neueren Ausflügen tauchten nur noch wenige Pilze auf.

Das bedeutet jedoch keine vollständige Entwarnung. Eine Regenperiode kann erneutes Wachstum auslösen, und nicht alle Regionen folgen exakt demselben Muster. Abseits der offiziellen Meldungen gibt es jedes Jahr auch Fälle, die niemals bei einem Giftnotrufzentrum landen.

Die Zahl der Anrufe bei amerikanischen Giftnotrufzentralen wegen Amatoxinvergiftungen liegt bei rund fünfzig pro Jahr – doch nicht jeder Vorfall wird gemeldet.

Was man als Leser daraus lernen kann

Für Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz klingt das vielleicht nach einem weit entfernten Problem aus Kalifornien – doch die Lektion berührt direkt die europäischen Wälder. Der Grüne Knollenblätterpilz ist nämlich ursprünglich eine europäische Art und kommt auch hierzulande vor, vor allem in Laubwäldern mit Eichen oder Kastanien.

Auch in Europa sind seit Jahren Vorfälle bekannt, bei denen dieser Pilz mit essbaren Arten wie dem Parasol oder bestimmten Täublingen verwechselt wird. Die medizinischen Folgen einer Vergiftung unterscheiden sich kaum von jenen in Kalifornien: dasselbe Gift, dieselben verzögerten Schäden an Leber und Nieren.

Wer trotzdem gerne wild sammeln möchte, sollte einige grundlegende Regeln beachten:

  • Nur Arten essen, die man zu 100 Prozent sicher erkennt – bei Zweifeln niemals mitnehmen.
  • Zunächst giftige Arten gründlich kennenlernen, erst danach die essbaren.
  • Mehrere zuverlässige Feldführer nutzen oder einen Kurs bei einer mykologischen Vereinigung besuchen.
  • Selbst gesammelte Pilze niemals an Kinder, Schwangere oder kranke Personen weitergeben.

Was bei Verdacht auf eine Vergiftung zu tun ist

Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung zählt jede Minute – auch wenn die Beschwerden zunächst mild erscheinen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sollte umgehend ein Arzt oder der ärztliche Bereitschaftsdienst kontaktiert werden. Die jeweiligen Giftinformationszentren sind rund um die Uhr erreichbar und können rasch einschätzen, ob ein ernstes Risiko besteht.

Ärzte bitten in solchen Fällen meist darum, Reste der Pilze mitzubringen oder zu fotografieren. So kann ein Spezialist schneller feststellen, ob es sich um eine riskante Art wie Amanita phalloides handelt. Eine frühzeitige Krankenhauseinweisung erhöht deutlich die Chance, dass Leber und Nieren sich erholen.

Mehr als ein lokales Problem aus Kalifornien

Die jüngsten Todesfälle in Kalifornien zeigen ein breiteres Spannungsfeld auf. Einerseits wächst weltweit das Interesse am Wildsammeln, an lokaler Ernährung und dem „Zurück zur Natur"-Gedanken. Andererseits bringt dieser Trend ein medizinisches Risiko mit sich – besonders dann, wenn Begeisterung das Wissen übersteigt.

Für Gesundheitsbehörden in Ländern wie Deutschland bietet die Situation in Kalifornien ein warnendes Szenario. Eine Kombination aus wärmerem, feuchterem Wetter und mehr Ausflüglern im Wald könnte auch hierzulande zu einem Anstieg von Vergiftungen führen. Gezielte Aufklärung – etwa über Kommunen, Naturschutzorganisationen und mehrsprachige Kampagnen – kann dieses Risiko begrenzen.

Der Grüne Knollenblätterpilz wird nicht verschwinden – weder in Kalifornien noch in Europa. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob er dort steht, sondern wie gut die Menschen darauf vorbereitet sind, ihn zu erkennen und stehen zu lassen. Für alle, die Pilze wirklich essen möchten, bleibt ein Rat der sicherste: beim Gemüsehändler kaufen – und jeden unbekannten Pilz im Wald so behandeln, als wäre er potenziell tödlich.

Author

  • Timo Gerber ist ein deutscher Lifestyle-Blogger mit einer Community von rund 15–25 000 Followern. Er teilt Inhalte zu Alltagstipps, Lifestyle, Mode und kreativen Lifehacks und inspiriert seine Follower mit persönlichen Erfahrungen, praktischen Ideen und visuell ansprechenden Posts auf Instagram.

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