Warum der Airfryer seinen Thron verliert
Lauwarm gewordene Pommes, Hühnernuggets, die einfach zu trocken sind, und dieses ewige Surren des Ventilators. In einer kleinen Stadtwohnung schiebt ein junger Vater an einem ganz normalen Abend das Gerät zur Seite — daneben, noch halb in der Verpackung: ein neues Küchenmonster mit glänzendem Display und neun rätselhaften Symbolen.
Er tippt auf den Touchscreen, scrollt an „Dämpfen", „Slowcook", „Grillen" und „Fermentieren" vorbei. Der Airfryer wirkt plötzlich wie ein Relikt aus dem Jahr 2018, irgendwo zwischen Fidget Spinnern und Bananenbrot. Seine Partnerin schaut kurz vom Laptop auf und sagt halb lachend: „Wenn das Ding wirklich alles kann, räumen wir die Hälfte unserer Küchenschränke aus." Er startet das erste Programm. Das Gerät bleibt fast lautlos. Und dann riecht die Küche auf einmal ganz anders.
Dabei war es vor ein paar Jahren noch so simpel: Wer „gesund frittieren" wollte, kaufte einen Airfryer. Fertig. Heute fühlt sich dieses Gerät plötzlich überraschend begrenzt an — nur heiße Luft, ein Korb, ein paar Pieptöne. Während die Hersteller jetzt eine neue Art von Alleskönner auf den Markt bringen: den multifunktionalen Kochofen mit neun Programmen in einem einzigen Gehäuse.
Man stellt ihn hin, schließt ihn an — und plötzlich kann man nicht nur backen, sondern auch dämpfen, rösten, Sous-vide nachahmen und Joghurt fermentieren. Der Airfryer wird zum „Ding für Tiefkühlpommes am Freitag" degradiert. Diese neue Generation von Küchengeräten verspricht etwas anderes: mehr Geschmack, mehr Textur und gleichzeitig mehr Ruhe. Weniger Geräte auf der Arbeitsfläche. Weniger Lärm im Kopf.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In den Niederlanden stagniert der Airfryer-Besitz seit Jahren, während der Verkauf multifunktionaler Kombigeräte deutlich anzieht. Einzelhändler berichten, dass Kunden ausdrücklich nach Geräten mit „mindestens acht Funktionen" fragen. Kein Hype mehr, sondern eine klare Verschiebung in der Art, wie wir kochen wollen. Ein Gerät, neun Garmethoden. Und ja, „Airfry" ist auch dabei — aber es ist längst nur noch einer von vielen Knöpfen.
Eine junge Berufstätige aus Utrecht erzählte, wie sie ihren Airfryer buchstäblich auf Marktplaats inserierte, nachdem sie ein solches neues Kombigerät ausprobiert hatte. Zuerst als Experiment, um zu sehen, ob es wirklich einen Unterschied macht. Nach drei Wochen war die Entscheidung klar: „Mein Airfryer konnte eigentlich nur einen Trick. Dieses Ding denkt mit mir mit." Ihre Wortwahl ist bezeichnend. Nicht mehr nur schnell und knusprig, sondern klug, leise, abwechslungsreich.
Was dieses neue Küchengerät wirklich anders macht
Wer so ein Gerät zum ersten Mal einschaltet, bemerkt vor allem eines: Stille. Kein aggressiver Ventilator, keine brutale Hitze. Die neun Kochmethoden sind kein Marketingbegriff, sondern unterschiedliche Arten, wie Wärme und Feuchtigkeit gesteuert werden. Beim „Dämpfen" bleibt der Lachs glänzend und zart, beim „Grillen" entstehen dunkle Ränder, beim „Slowcook" fällt das Fleisch mit einem sanften Gabeldruck auseinander.
Diese Vielfalt bedeutet, dass man nicht mehr alles in einen einzigen Modus „heiße Luft, volle Kraft" zwängt. Denselben Blumenkohl kann man auf drei völlig verschiedene Arten zubereiten — einfach durch Antippen eines anderen Symbols. Genau hier bleibt der Airfryer zurück: Mit der Zeit schmeckt alles irgendwie gleich. Die neuen Gerätegenerationen bringen Schichten im Geschmack zurück, ohne dass man Koch sein muss.
Kennt man nicht diesen Moment, wenn man auf den Teller schaut und denkt: „War das alles?" Trockene Hähnchenbrust, muffige Kartoffelspalten, alles auf dieselbe Temperatur getrieben. Diese Alles-in-einem-Geräte spielen gezielt mit Zeit und Feuchtigkeit. Dämpfen erhält Vitamine und Farbe. Regenerieren gibt Resten ein zweites Leben, ohne dass sie austrocknen. Fermentieren ermöglicht selbstgemachtes Kimchi oder Joghurt bei konstanter, milder Wärme. Es sind alles Variationen desselben Versprechens: weniger Verschwendung, mehr Freude am Tisch.
Eine Familie aus Antwerpen nutzte ihr neues Gerät zunächst vor allem als Luxusofen. Bis die Teenager-Tochter anfing, TikTok-Videos nachzukochen: gedämpfte Buns mit Pulled Chicken, selbstgemachtes Granola bei niedriger Temperatur, Overnight-Slowcook-Haferflocken, die morgens bereits warm bereitstanden. Der Vater lachte zunächst darüber und vermisste seinen alten Airfryer „für den schnellen Snack". Nach einem Monat bereitete er selbst jeden Sonntag eine Portion Gemüsechips auf der Dehydrierungs-Stufe zu. Der Airfryer landete buchstäblich im Keller.
Ihre Erfahrung zeigt etwas Grundsätzliches: Wir wollen nach wie vor Bequemlichkeit, aber nicht auf Kosten von Geschmack und Abwechslung. Ein Gerät, das gleichzeitig backen, grillen, dämpfen und slowcooken kann, gibt Gestaltungsfreiheit. Man muss nicht mehr zwischen schnell und gut wählen. Die Technologie — Sensoren, präzise Temperaturregelung, Feuchtigkeitsmessung — macht es möglich, dass sich ein einziges Gerät an das anpasst, was man hineinstellt. Wo der Airfryer vor allem auf Zeitersparnis ausgerichtet war, dreht sich diese neue Generation um die Kontrolle über die eigene Küche.
Interessante Artikel:
So holt man alles aus den neun Kochmethoden heraus
Fang nicht mit dem kompliziertesten Rezept aus dem Büchlein an. Wähle drei einfache Dinge, die du häufig isst: Gemüse, Hähnchen oder Tofu und Kartoffeln oder Reis. Bereite sie an drei verschiedenen Abenden mit drei verschiedenen Programmen zu. Röste das Gemüse einmal bei hoher Temperatur, dämpfe es an einem anderen Tag und röste es ein drittes Mal langsam mit wenig Fett.
Der Gaumen lernt dann, was diese neun Funktionen bewirken — ganz ohne Theorie. Die meisten Menschen bleiben bei „Airfry" und „Ofenstellung" hängen, dabei machen gerade Dämpfen und Slowcook den größten Unterschied im täglichen Essen. Ein weiterer cleverer Schritt: Programmiere ein festes Lieblingsprogramm mit Timer für den Werktags-Nudelauflauf. Wenn man nach Hause kommt, ist das Essen warm — ohne totgegart zu sein.
Ehrlich gesagt kocht niemand jedes Woche dieses megakomplexe Fünf-Gänge-Menü aus dem Buch. Was wirklich funktioniert, sind Mini-Rituale. Mittwochs immer Gemüse dämpfen, sonntags Slowcook für Reste, freitags grillen. Man muss nicht alles beherrschen, um enorm davon zu profitieren. Diese Geräte sind zum Vergeben gemacht: ein Grad mehr oder weniger, eine Minute länger — es geht selten komplett schief.
Trotzdem passieren immer wieder dieselben Fehler. Menschen beladen den Rost zu voll, verwenden stets dieselbe Temperatur oder vergessen, beim Grillen vorzuheizen. Oder sie wissen nicht, dass man für knusprige Pommes erst kurz dämpfen und dann erst fertigbacken sollte. Solche kleinen Missverständnisse führen dazu, dass viele sagen: „Ach, der Unterschied zu meinem Airfryer hält sich in Grenzen." Dabei ist es in der Praxis meistens eine Frage von ein oder zwei angepassten Gewohnheiten — kein weiterer Kochkurs nötig.
„Seit ich das Ding habe, esse ich nicht unbedingt ‚gesünder', ich esse einfach mit mehr Lust. Und das merkt man an allem — sogar daran, wie still es am Tisch ist", erzählte mir ein Nutzer.
Dieser Satz bleibt hängen, weil er trifft, warum diese Geräte so schnell an Boden gewinnen. Weniger Stress, weniger Lärm, mehr gemeinsame Zeit am Tisch. Um es übersichtlich zu halten:
- Maximal 70 % des Garraums befüllen — dann zirkuliert die Wärme wirklich gleichmäßig.
- Hitze und Feuchtigkeit kombinieren: erst dämpfen, dann kurz grillen für knusprige Ränder.
- Auf niedrige und langsame Garung setzen — Geschmack entwickelt sich in der Zeit, nicht in der Eile.
- Einen festen „Restetag" pro Woche einplanen und die Regenerier-Stufe nutzen.
- Den Airfryer probeweise in den Schrank räumen — und beobachten, was passiert.
Wohin sich das alles in der eigenen Küche entwickelt
Der Wandel vom Airfryer zum Neun-in-einem-Küchengerät dreht sich nicht nur um Gadgets. Er sagt etwas darüber aus, wie wir leben wollen. Weniger Dinge, mehr Funktionen. Weniger Lärm, mehr Ruhe. Wir wollen nach wie vor schnell Essen auf dem Tisch, aber wir haben es satt, dass alles aus derselben lauwarm-heißen Luft kommt. Die erste Airfryer-Generation hat uns immerhin eines gelehrt: Kochen kann kürzer, einfacher und fettärmer sein. Jetzt sind wir bereit für Schritt zwei.
Man merkt es daran, wie Menschen über ihre Küche sprechen. Nicht mehr: „Ich habe eine Fritteuse, einen Ofen, einen Dampfgarer, einen Joghurtbereiter." Sondern: „Ich habe dieses eine Gerät, das alles macht." Es wird fast zum Gesprächsthema — so wie früher die erste Spülmaschine. Freunde fragen: Funktioniert dieses Dämpfen wirklich? Wird das Fleisch braun genug? Kann man darin Brot backen? Die Antworten kommen dann nicht nur aus Anleitungen, sondern aus geteilten Erfahrungen, Fotos, kleinen Misserfolgen und Erfolgen.
Bemerkenswert ist, wie schnell Routinen kippen können. Heute noch denkt man, ohne Airfryer nicht auszukommen. In ein paar Monaten lässt man ihn vielleicht im Schrank verstauben, weil man lieber in aller Stille dämpft, grillt und slowcookt. Es geht nicht um Treue zu einer Marke oder einem Modell, sondern darum, was abends auf dem Tisch steht und wie man zusammen darum herumsitzt. Vielleicht ist das das größte Versprechen dieser neuen Geräte: nicht nur neun Kochmethoden, sondern neun neue Wege, die eigene Küche zu betrachten.
Übersicht: Was dieses Gerät wirklich bringt
| Kernpunkt | Details | Nutzen für den Alltag |
|---|---|---|
| Neun Kochmethoden in einem Gerät | Kombination aus Backen, Grillen, Dämpfen, Slowcooking, Fermentieren und mehr | Weniger einzelne Geräte, mehr Platz und Flexibilität in der Küche |
| Besserer Geschmack und bessere Textur als ein klassischer Airfryer | Gezieltes Spiel mit Feuchtigkeit, Zeit und Temperatur statt nur einer Heißluft-Stufe | Alltägliche Gerichte werden abwechslungsreicher und weniger trocken oder fade |
| Ruhigerer, durchdachterer Kochrhythmus | Vorprogrammierbare Routinen und leiser Betrieb | Weniger Stress beim Abendessen, mehr Aufmerksamkeit für das gemeinsame Essen |
Häufige Fragen:
- Ist so ein Neun-in-einem-Gerät wirklich ein Ersatz für meinen Airfryer? Ja, nahezu alle Modelle verfügen über eine „Airfry"-Stufe, ergänzen diese aber um zusätzliche Kochtechniken wie Dämpfen und Slowcooking.
- Brauche ich noch einen separaten Ofen, wenn ich dieses Gerät kaufe? Für die meisten Haushalte nicht: Aufbackbrot, Aufläufe und Gebäck gelingen problemlos, auch wenn ein großer Einbauofen für wirklich große Formen nach wie vor praktisch ist.
- Verbraucht das nicht viel mehr Strom als ein Airfryer? Die Spitzenleistung liegt manchmal höher, aber da das Gerät präziser und effizienter heizt, ist der Gesamtverbrauch pro Gericht oft vergleichbar oder sogar geringer.
- Ist das mit all den Programmen nicht zu kompliziert? Die meisten Geräte haben Voreinstellungen, aber man kann problemlos mit drei Funktionen beginnen: Backen, Dämpfen und Grillen. Der Rest kommt von ganz allein.
- Bei welchen Gerichten macht sich der Unterschied zum Airfryer am stärksten bemerkbar? Bei Gemüse (gedämpft oder langsam geröstet), Schmorgerichten auf der Slowcook-Stufe und Resten, die auf der Regenerier-Stufe wieder fast wie frisch schmecken.













